Ich liebe britische Independent-Filme, ganz ehrlich. Sie haben eine ganz eigene Art Geschichten zu erzählen, sind visuell meistens sehr eigen und beinhalten fantastische Musik. Und all das hat auch New Town Killers, um die Kritik direkt mal auf einen Punkt zu bringen. Gut, die Geschichte ist jetzt nicht wirklich neu, ein Junge, der sich für Geld eine Nacht lang jagen lässt. Das gab es schon, ist also nicht wirklich originell. Doch die Umsetzung ist es definitiv. Und was das Wichtigste daran ist: Er ist spannend wie Sau! Erzählt in kühlen Bildern fiebert man in jeder Sekunde mit der Hauptfigur mit. Die schnellen Schnitte tun ein übriges um alles rasant zu erzählen. Die Darsteller sind hierzulande weitgehend unbekannt, lediglich Dougray Scott könnte dem ein oder anderen Desperate Housewives-Fan ein Begriff sein. Allesamt liefern einen passablen Job ab. Für einen spannenden DVD-Abend ist dieser Film allemal zu empfehlen.
Tja, die Coen Brüder. Also um gleich mal reinen Tisch zu machen: Ja, ich finde die beiden als Filmemacher genial und fantastisch. Das setze ich dehalb vorweg um keine Morddrohungen zu bekommen. Fargo und The Big Lebowski gehören defintiv mit zu meinen Lieblingsfilmen. Doch muss ich leider gestehen, dass mich die letzten Werke der beiden nicht wirklich überzeugt haben. No Country For Old Men hatte fantastische Schauspieler, keine Frage. Bei Burn After Reading war das nicht anders. Doch hatten sie meiner Meinung nach auch Längen, die mich als Zuschauer langweilten. Ich finde, dass sie das bei A Serious Man etwas zu sehr überspannten. Okay, wenn man die erste Hälfte einmal überstanden hat, dann entfaltet sich wirklich ein rabenschwarzer Humor, der das allgemeine Spießerleben zerpflückt, doch aus irgendeinem Grund ließ mich das alles kalt. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich vom jüdischen Glauben keine Ahnung habe, der Film spielt nämlich in einer jüdischen Gemeinde in den Sechzigern irgendwo in den USA. Das Ende des Films hinterließ nur ein riesiges Fragezeichen über meinem Kopf. Und versteht mich nicht falsch, ich habe kein Problem mit Metaphern, aber dieser Schluss, na ja, schließt halt nichts ab. Er erklärt nicht mal etwas oder veranschaulicht. Ich bin mir sicher, dass mir da zig Kritiker widersprechen werden, doch für einen Filmfan, der auch vor schwierigen Stoffen nicht zurückschreckt, war mir das einfach zu strange und ließ mich mit einem unabgeschlossenen Film zurück. Nichtdestotrotz sind die satirischen Elemente des Films superb und machen die zweite Hälfte zu einem ordentlichen, respektlosen Spaß. Die durchweg unbekannten Schauspieler wären noch zu erwähnen, allen voran der Hauptdarsteller Michael Stuhlbarg, dem das Spießertum quasi ins Gesicht gezeichnet steht. Beim "normalen" Publikum, und da bin ich mir sicher, wird er durchfallen, aber für diese wurde der Film auch sicher nicht gemacht. Coen-Fans werden ihn lieben, das steht fest. Ich hoffe trotzdem, dass sie mal wieder etwas leicht verdaulicheres produzieren werden.
Richard Kelly´s Erstlingswerk Donnie Darko sorgte, zumindest in Europa, für großes Aufsehen. Verstand er es doch das Handwerk eines David Lynch in einen eigenen Stil zu verwandeln, der diesen Film zu einem Kultfilm machte. Sein Nachfolgewerk Southland Tales ging noch einen Schritt weiter, scheiterte aber kläglich bei den Kritikern und erschien auch erst 3 Jahre nach Erscheinen in Deutschland nur auf DVD. Eine pure DVD-Auswertung widerfährt nun auch The Box, während er in den Staaten mit mittelmäßigem Erfolg auch im Kino lief. Bei diesem Streifen nähert sich Kelly wieder etwas mehr seinem Erstlingswerk Donnie Darko. Die Geschichte um eine Box, die, wenn man sie drückt, einen Fremden sterben lässt und selbst einem eine Million Dollar zukommen lässt, fängt etwas langatmig an. Doch baut sich im Laufe des Films immer mehr eine Spannung auf, die einen irgendwann dann doch in seinen Bann zieht. Am Ende entwickelt es sich sogar zu einer harschen Gesellschaftskritik, die nicht aufdringlich wird. Satirische Elemente scheinen immer wieder durch. Das Schicksal des Ehepaares, gut gespielt von Cameron Diaz und James Marsden, ist einem dabei in keiner Sekunde egal und man verspürt echte Sympathie für die beiden, was dann natürlich das ganze Geschehen noch tragischer macht. Wer denn zwar verantwortlich für das alles muss man sich selbst zusammenreimen am Ende, aber so bleibt auch der philosophische Ansatz erhalten und man hat Stoff darüber zu diskutieren so wie einst bei Cube. Alles in allem ist The Box eine faszinierende und spannende Gesellschaftsstudie die besser zu verdauen ist als Donnie Darko.
Bernd Eichinger ist dafür bekannt kontroverse Themen in Filmform zu verpacken. Zuletzt bewies er das wieder eindrucksvoll mit Der Baader-Meinhof Komplex, der ja auch sehr umstritten war. Nicht umstritten ist die Tatsache, dass Bernd Eichinger Filme selten schlecht sind. Ist es nun dieser? Bevor ich das beantworte erst einmal eine kleine Einführung in den Film. Der Streifen basiert lose auf der Biografie von Bushido, dem deutschen Enfant Terrible des Rap. Und weil das so ist, da fragte ihn Eichinger ob er nicht auch die Hauptrolle spielen wolle, als dieser zusagte bekam man natürlich auch den Rest seiner Gang dazu sich selbst zu spielen. Soweit so gut. Eines ist Fakt: Wer Bushido vorher nicht mochte, der wird ihn auch nach Zeiten Ändern Dich nicht besser finden. Deshalb sollten Menschen die ihn wirklich verachten, sich den Film gar nicht erst antun, das ist nur ein Tipp meinerseits. Doch nun zum Film an sich: Ja, er hat einige Klischees! Ja, Bushido ist kein wirklich guter Schauspieler! Ja, am Ende wirkt der Streifen doch sehr konstruiert! Aber nein, er ist nicht schlecht. Der Film unterhält anständig und man bekommt einen kleinen, aber recht anschaulichen Einblick in die Berliner Underground-Hip-Hop Szene. Außerdem sind die Nebenrollen derart fantastisch besetzt worden, so dass diese eben ganz viele No-Go´s des Films mit Bravour ausbügeln. Moritz Bleibtreu, Hannelore Elsner und Uwe Ochsenknecht sind nur ein kleiner Teil des Ensembles. Wirklich negativ fiel mir nur der Schluss auf, bei dem man versuchte ein spannendes Finale zu erzwingen. Da dies aber überhaupt nicht zu den biografischen Elementen des Rests passt, ist dieser Schluss phänomenal gescheitert. Von dem Happy-End einmal ganz abgesehen, bei dem man noch schnell alles aufzulösen versucht, was denn nun aus den Eltern und den Ex-Freundinnen Bushidos wurde. Trotz allem ist Zeiten Ändern Dich ein Film, der anständig von Uli Edel umgesetzt wurde und der auch anständig unterhält, trotz der Schwächen. Für Bushido-Fans ein Meisterwerk, für Film-Fans anständige Unterhaltung und für Hip-Hop-Hasser ein weiterer Grund ihn noch mehr zu hassen.
Jason Reitman, Sohn des Regisseurs der Ghostbusters-Filme Ivan Reitman, legt hier seinen dritten Film als Regisseur vor. Zuvor feierte er schon Erfolge mit der bösartigen Satire Thank You For Smoking und der vielbeachteten Komödie Juno. Alle Filme glänzten mit einem fabelhaften Wortwitz, so auch dieser. Die Figur von Ryan Bingham, gespielt von George Clooney, ist zynisch und sympathisch zugleich. Die Wortgefechte mit seiner Kollegin, gespielt von Anna Kendrick, sind einfach superb und intelligent auf den Punkt gebracht. Das einsame Leben des Hauptprotagonisten ist Hauptbestandteil der Geschichte, gepaart mit einer unaufdringlich erzählten Liebesgeschichte mit einer anderen Vielfliegerin, gespielt von Vera Farmiga. Binghams Beruf, er entlässt Leute für feige Firmenbosse, ist gut gewählt und erklärt natürlich auch die teilweise zynischen Einstellungen dieses Charakters. Wer könnte solch einen Beruf ausüben und nicht zynisch werden? Clooneys Bingham entwickelt sich glaubhaft von Anfang bis Ende weiter um dann unfreiwillig doch wieder sein altes Leben zelebrieren zu müssen. Wie man dieser Aussage entnehmen kann hat der Film dadurch kein wirkliches Happy End, aber das ist ja alle mal realistischer als alles sonst was einem in Komödien aus Hollywood serviert wird. Wer gute und witzige Dialoge zu schätzen weiß, der wird mit dieser gut besetzten und ohne Längen erzählten Geschichte eine Menge Spaß haben.
Leander Haußmann, der gefeierte Regisseur von Männerpension, Herr Lehmann und Sonnenallee legt hier seine neue Komödie vor. Und sie ist ein Volltreffer. In einer Zeit in der unser Pflegesystem immer perverser scheint, wagt Haußmann es genau das in einer Komödie zu thematisieren, einer bittersüßen Komödie. Zum Einen ist es natürlich zum Schießen den Senioren dabei zuzuschauen wie sie Bank auf´s Kreuz legen, bzw. wie sie dem herrlich schleimigen Charakter, gespielt von Daniel Brühl, eins auswischen. Zum Anderen ist gerade anfangs das Leben im Seniorenheim nicht weit hergeholt, ich weiß wovon ich spreche. Gerade das Spiel mit den Pflegestufen, sehr anschaulich erklärt von Tom Gerhardt, der den Heimleiter hier spielt, macht auf ein großes Problem in unseren Pflegegesetzen aufmerksam. Auch die Motivation der Pflegekräfte wird thematisiert. Auch der Umgang der Banken mit der Verteilung von Krediten an Menschen, die sich das gar nicht leisten können wird hier thematisiert. Doch trotz dieser harten Thematiken zwischendrin schafft es der Streifen immer amüsant und leicht verträglich zu bleiben. Das muss man erstmal schaffen. Alles in allem ist Dinosaurier eine intelligente Komödie, die zum Nachdenken anregt und die Senioren feiert. Und diesen bei ihren Gaunereien zu beobachten macht einen Höllenspaß.
Seit den Ocean´s Eleven-Filmen sind Kriminalfilme über Raubüberfälle wieder ganz hoch im Kurs. Leider wird dabeu selten die Qualität eben erwähnter Filme erreicht. Nun hat man in diesem aber Morgan Freeman in der Hauptrolle und Antonio Banderas als seinen Komplizen. Und der Komplize ist auch das Problem, zumindest anfänglich. Ich ertrage es einfach nicht mehr Aontonio Banderas als jugendlichen Liebhaber zu sehen. Der Mann ist fast 50 und die Latino-Lover-Nummer lässt einen nur noch gähnen. Zum Glück ist halt Freeman mit von der Partie und ihm zuzusehen macht eigentlich immer Spaß, so ist es auch hier. Leider ist der Plot in den ersten 2 Dritteln nicht wirklich überraschend und aufregend und sogar der Raub selbst lässt einen nur müde mit der Schulter zucken. Warum man sich The Code dann doch ansehen sollte liegt am letzten Drittel, da bekommt der Streifen dann doch noch einen interessanten Twist, der zwar schon irgendwie vorherzusehen war, also das es auf jeden Fall einen gibt, aber letzten Endes doch raffiniert umgesetzt wurde. Wer also auf Kriminalfilme oder auf Morgan Freeman steht, der wird nicht enttäuscht. Erwähnenswert wäre vielleicht noch, dass der Film schon 2 Jahre auf dem Buckel hat und jetzt erst in Deutschland auf DVD erscheint.